WiSü veranstaltet zweite Informationsveranstaltung zum Thema „Flucht“

Die Bürgerinitiative „Willkommen in Sürth“ hatte alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationsabend zum Thema „Flucht“ eingeladen. Die Erzengel-Michael-Kirche in Michaelshoven war gut besucht und das Publikum lauschte den spannenden Ausführungen Rupert Neudecks (Grünhelme, Cap Anamur) und Gian Aldonanis, die von ihrer Flucht aus dem Nordirak im Jahr 2001 berichtete. Christoph Heinemann führte durch den Abend.

Die zweistündige Veranstaltung begann mit einer musikalischen Einlage: Birgit Heinemann (Cello) und Monika Overbeck (Gitarre) gaben dem Abend einen kunstvollen Rahmen und stimmten die Zuhörer auf die Gespräche ein. Rupert Neudeck berichtete von seiner Flucht aus Polen, die er als Kind erlebte und wie dieses Ereignis seine humanitäre Arbeit beeinflusste.

Neudeck besuchte erst kürzlich Flüchtlingslager in der Türkei und in Afrika. Er schilderte  die Lebensumstände der Flüchtlinge dort und die Motive, die die Leute zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Gerade in Ländern wie Eritrea, wo die Menschen keine Chance haben aus Diktatur und Armut auszubrechen, sei die Flucht die einzige Alternative für ein besseres Leben.

Gian Aldonani engagiert sich für Flüchtlinge in Deutschland

Sehr eindrucksvoll erzählte die 23-jährige Gian Aldonani von der Flucht mit ihrer Familie aus dem Nordirak. Zu Fuß überquerten sie die Berge zur Türkei und wähnten sich in Istanbul bereits auf sicherem Terrain. Aber erst die Überfahrt mit dem Boot über das Mittelmeer stellte die Familie vor existentielle Probleme. Das Schiff geriet in einen Sturm, so dass die Fahrt acht anstatt vier Tage dauerte, aber der Proviant nur für vier Tage ausgerichtet war.

Dehydriert und halb verhungert strandeten sie an der Küste Italiens und wurden von Touristen erstversorgt. Der Vater holte die Familie dann Wochen später nach Köln, wo sie ihr neues Leben starten konnten. Als Gesiden wurde die Familie in ihrer Heimat diskreminiert, aber auch der Ausblick auf eine bessere Bildung der Kinder war ein Grund, die Heimat zu verlassen.

Heute studiert Frau Aldonani in Köln und engagiert sich beim Kölner Appell für Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Mit ihrer Hilfe möchte sie etwas zurückgeben, was sie und ihre Familie damals an Hilfe widerfahren ist. Auch ihrer Mutter möchte sie mit ihrer Ausbildung etwas zurückgeben, die ihr diese Chance aufopferungsvoll erst ermöglichte.

Nach der Veranstaltung informierten sich die Teilnehmer rege am WiSü-Infostand und nutzten die Gelegenheit, sich mit den Podiumsgästen und untereinander auszutauschen.

 

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